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  • Franz

La Chacra Holandesa


Ganz schön weit weg von zu Hause

Willkommen in Südamerika! – unsere Entscheidung und der Weg dorthin waren ja etwas überstürzt und hektisch. Schlussendlich sind wir aber bestens im frühsommerlichen Uruguay angekommen. Die Kinder haben die vielen Flüge super mitgemacht oder sollten wir eher sagen genossen? Spannend war es in jedem Fall – auch für uns, denn Fliegen mit kleinen Kindern besteht nicht mehr aus Longdrinks und Filmen.


Gezwungenermassen ebenso kurzfristig wie nach Container und Flügen, mussten wir nach einer Bleibe für die Zeit bis Zacharias in Montevideo ankommt, suchen und sind am Ende bei Jan und Marieke im Chacra Holandesa gelandet. Die beiden sind seit 2015 in Uruguay und haben uns sehr herzlich empfangen. Sie haben einen wunderschönen Campingplatz primär für Overlander (aus dem Englischen - sind selbstständige Überlandreisende, die zu abgelegenen Zielen unterwegs sind, wobei die Reise das Hauptziel ist – in der Regel mit einem Fahrzeug) aufgebaut. Sie haben auch ein Zimmer und ein Ferienhäuschen, das sie vermieten. Es gibt Pferde, die immer froh sind, wenn sie geritten werden, Hühner, Hunde, Katzen und ein Schwein namens Schnitzel (die Dame wird allerdings nicht zu ebendiesem verarbeitet). Vielen Dank an dieser Stelle an Jan und Marieke für ihre Gastfreundschaft und die wunderbare Zeit, die wir bei euch verbringen durften!


Da Uruguay ein zwar schönes aber auch teures Land ist, haben wir Jan und Marieke unsere Hilfe angeboten und konnten ihnen viel auf dem Hof helfen und im Gegenzug etwas günstiger bei ihnen wohnen um die Reisekasse zu schonen. Zu unseren Aufgaben gehörte unter anderem Rasen mähen, Sanitäranlagen der Camper reinigen, den Garten am Abend bewässern, das Dach des Scheunenanbaus decken, Jalousien anbringen, Katzen, Hühner und Hunde betüdeln, Moskitonetzte bauen, gärtnern, und was sonst spontan so anfiel. Aber bevor irgendwie gearbeitet wurde, sind wir erstmal angekommen, denn es ist alles immer «tranquillo» (= ruhig, entspannt). Gearbeitet wird wie es gerade passt und möglichst nicht in der Mittagshitze, dann lieber am nächsten Tag 😉


Die Kinder konnten immer zusammen mit uns die Tiere füttern, die Eier aus dem Hühnerstall holen und manchmal auch ein Stückchen auf Chikitita, ihrem bravsten Pferd reiten. Das Wetter war in der Regel gut und genau nach Julianes und der Kinder Geschmack, aber nicht so sehr nach meinem, denn 30°C war eher die Regel als die Ausnahme. Bei 38°C wurde dann eigentlich gar nicht mehr gearbeitet, sondern nur noch am Pool entspannt. Das haben die Kinder aber sowieso fast jeden Nachmittag mit Juliane gemacht 😆


Da wir ja unseren Bus noch nicht hatten, waren wir zum Einkaufen eigentlich immer auf Jan angewiesen, der meist mit mir einkaufen gefahren ist. Bis in unseren Lieblingsladen war es dann doch etwas weit mit Fahrrad und Rucksack bei 30°C und mehr. Anders als mit dem Auto oder dem Fahrrad kommt man nämlich nicht wirklich voran auf dem Campo, so wird das Hinterland Uruguays genannt. Meist konnten wir die Einkäufe verbinden, sodass auch Jan einkaufen war oder wir noch bei der Ferreteria Schrauben gekauft oder sonstige Besorgungen gemacht haben.


Während wir unsere Zeit im Chacra genossen und auf unseren Bus warteten, lernten wir einige spannende und sehr nette Overlander kennen. Viele von ihnen kommen in Montevideo an (respektive ihre Fahrzeuge) und fahren dann erstmal zu Jan und Marieke um sich zu sortieren und dann Südamerika unsicher zu machen. Als es für uns dann gegen Weihnachten langsam spannend wurde und das Schiff mit unserem Bus immer näher zu uns kam fingen wir an, alle Notwendigkeiten zu organisieren. Unser Agent in Montevideo, Eduardo Kessler, war sehr behilflich und kümmert sich scheinbar um so ziemlich alle ankommenden Fahrzeuge. Leider gab es anderweitig ein paar Probleme mit dem Container, die bis heute noch nicht ganz abgeschlossen sind – doch dazu mehr in einem separaten Blogeintrag.


Weihnachten in Südamerika – schon etwas komisch, zumal ich auf meinen Ausflügen nach Atlántida mit Jan nicht ein «europäisches» Anzeichen dafür entdecken konnte. Keine Deko, keine Lebkuchen, gar nichts. Und dabei ist Uruguay tendenziell christlich. Doch Jan versicherte mir: es haben fast alle Leute zu Hause einen Weihnachtsbaum stehen…und zwar aus Plastik. Was auch nicht gerade für heimelige Weihnachtstimmung sorgt sind natürlich die hohen Temperaturen tagsüber. Zum Glück kühlte es nachts aber fast immer wieder auf unter 20°C ab.


Am 21. Dezember hatte Juliane Geburtstag – auch selten in so sommerlichem Ambiente – dafür mit holländischen Blumen, einem improvisierten Geburtstagskuchen und leckerem Asado (also einen großen Grill) am Abend. Ebenso wird Weihnachten Weihnachten in Uruguay klassisch mit Asado und Feuerwerk gefeiert. So auch bei uns (allerdings ohne Feuerwerk), auch nicht klassisch wie zu Hause. Ob man sich beschenkt wissen wir nicht genau, Luisa und Jonathan haben natürlich ein paar Kleinigkeiten bekommen. Der Stollen, den uns meine Mama mitgegeben hat war ja leider noch im Bus.


Am Tag nach Julianes Geburtstag musste ich nach Montevideo um mit Eduardo alle Dokumente für den Bus fertig zu machen. Auch ein Abendteuer für sich – 1.5 h Busfahrt nach Montevideo bei 35°C, Bus ohne Klimaanlage und ohne Sitzplatz. In Montevideo waren dann geschmeidige 41°C. Zuerst musste ich versuchen etwas Bargeld zu bekommen, denn bisher habe ich alles mit Kreditkarte zahlen können. Das war schnell bewältigt. Als nächstes musste ich die Dokumente unserer frisch abgeschlossenen argentinischen Haftpflichtversicherung ausdrucken. Also ab in einen Copyshop. Ein Blatt musste zwingend auf grünes Papier gedruckt werden. Dieses musste ich allerdings in einem anderen Geschäft kaufen, dann zurück zum Copyshop und alles ausdrucken. Dann zu Eduardo ins Büro und von dort zur Migración für ein «Certificado de llegado». So 100% klar ist mir immer noch nicht was dieses Dokument kann, es war aber wichtig für die Zollabfertigung unseres Busses im Hafen (das organisierte allerdings auch Eduardo). Meine Vermutung ist, dass ich mich offiziell in Uruguay registrieren muss, um für Zollabfertigungen befugt zu sein. Anschließend ging es wieder zu Eduardo ins Büro und dann in den nächsten Bus zurück nach Atlántida.



Bis wir Zacharias bekamen zog es sich noch eine Weile hin, doch am 30.12. konnte ich ihn endlich im Hafen in Montevideo abholen. Die Batterie war zwar tot, sodass wir ihn aus dem Container schieben mussten aber nach kurzer Starthilfe schnurrte er wieder wie ein kleiner Panther. Leider reichten die paar Kilometer auf dem Hafengelände nicht aus, um auch nach der Zollabfertigung wieder zu starten (trotz 180A Lichtmaschine👆), also gab es abermals Starthilfe. Mit Zacharias kam endlich ein Stück Heimat (wobei wir uns im Chacra langsam auch zu Hause fühlten), Jonathans Bobbycar, viele weitere Spielsachen, ein Herrnhuter Miniaturweihnachtsstern mit USB-Anschluss (das Weihnachtsgeschenk meiner Eltern) und natürlich der Stollen an. Der Stollen war der beste, den ich bisher von meiner Mama gegessen habe, wobei das natürlich auch ein wenig daran liegen könnte, dass wir sonst gar nichts weihnachtliches hatten. Er war auf jeden Fall vorzüglich und erfreute sich auch bei allen anderen Anwesenden größter Beliebtheit.


Silvester wurde ebenfalls mit einem besonders großen Asado, einigen Overlandern und Freunden von Jan und Marieke gefeiert. Da bei uns sehr viele Tiere leben (generell auf dem Campo) gab es bei uns kein Feuerwerk, wir konnten aber ein wenig drüben in Atlántida beobachten.


In den kommenden Tagen hieß es noch ein paar Dinge am Bus ein- oder umzuräumen und zu reparieren oder auch zu optimieren. Wir hatten ja schon seit einiger Zeit ein hässliches Vibrieren unter starker Last beim Anfahren. Das verschlimmerte sich in den letzten Monaten so sehr, dass ich heilfroh war, dass es bis in den Container noch ging. Ich hatte in den letzten Wochen schon diverse Teile im Ausschlussverfahren geprüft und es blieben eigentlich nur noch das Getriebe, die hinteren Gleichlaufgelenke und die Radlager bzw. Gehäuse übrig. Alles testete ich, fand das Problem aber leider trotzdem nicht. Die Testfahrt ohne hintere Antriebswellen zeigte immerhin, dass es nicht das Getriebe war – sehr beruhigend. Nachdem ich noch einmal mit Marcus von Virat Mechanik telefoniert habe, prüfte ich abermals ob irgendwo etwas an die Karosserie schlägt. Und siehe da – der rechte Auspuffhalter schlug gegen den Unterfahrschutz. Warum ich da nicht eher drauf kam? Gute Frage – vermutlich, weil das Geräusch in keiner Weise metallisch klang und ich ja anfangs schonmal alles (bis auf diese Stelle) geprüft hatte. Naja, nach dem kurzen Einsatz der Metallsäge am Halter war das Vibrieren verschwunden und es konnte Richtung Patagonien losgehen!


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