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  • Franz

Alles einmal umwerfen


Am Hafen in Rotterdam

Wie schon im letzten Beitrag angedeutet, standen ein paar Entscheidungen an. Zuerst einmal hatte ich trotz der Zahnbehandlung in Dresden immer noch ordentlich Zahnschmerzen und konnte eigentlich auf der rechten Seite lediglich Suppen und Joghurt "kauen". Gott sei Dank gibt es in unserer Familie einen Zahnarzt, der sogar gar nicht mal so unendlich weit weg (nahe Basel) seine Praxis hat und mir anbot, mein Problem mal unter die Lupe zu nehmen und einen Versuch zu wagen (trotz komplett vollem Terminkalender). Vielen Dank Christoph an dieser Stelle nochmal für deinen Einsatz 😉


Da einem Zahnschmerzen ziemlich schnell die Freude am Reisen verderben können, war der nächste Stopp nach dem Wochenende also klar. Es ging wieder nach Westen und zu Christoph. Er bohrte meine neue alte Füllung aus Dresden heraus und setzte eine provisorische Füllung ein um zu testen, ob das Problem so gelöst wird. Und siehe da, am Abend konnte ich mit Genuss auch auf der rechten Seite meinen Burger kauen. Wir hatten uns ein gemütliches Plätzchen im Südschwarzwald hoch oben gesucht, Feuer gemacht und Burger gegrillt. Hier blieben wir auch die nächste Nacht noch und versuchten nun unsere weiteren Reisepläne zu ordnen (war gar nciht so einfach mit quasi keinem Internetempfang).


Zum Problem: Ursprünglich war der Plan über Griechenland mit der Fähre nach Israel zu fahren und anschließend über Jordanien nach Saudi-Arabien. Seit Corona gab es diese Fährverbindung allerdings nicht mehr, sondern nur eine Verschiffung von Mersin (Türkei) nach Israel. Das ist durch die Frachtverschiffung sehr kostenintensiv. Nachdem wir dann die arabische Halbinsel ein wenig erkunden wollten, planten wir von den Vereinigen Arabischen Emiraten aus mit einer weiteren kurzen Fähre nach Iran zu fahren und von dort aus im Frühling dann nach Zentralasien. Aber es kam alles anders als gedacht. In Iran gingen mitte September die immernoch anhaltenden Unruhen los. Aus unserer Sicht ist das sicherlich eine (sofern man das so nennen darf) «positive Entwicklung», für uns als Reisende jedoch nicht so ideal, denn wir haben uns schon sehr auf die Kultur und die Städte in Iran gefreut. Nachdem wir von einigen Reisenden gelesen haben, dass auch Reisende beliebig inhaftiert und der Spionage bezichtigt wurden, war das für uns der Punkt, Iran von der Reiseliste zu streichen. Das Risiko, vor allem mit Kindern, dann dort irgendwo getrennt inhaftiert zu werden war dann doch etwas zu viel.


Dadurch brach aber auch das gesamte sonstige Konstrukt etwas in sich zusammen, denn so würden wir eigentlich nur entweder auf derselben Route wieder zurück bis in die Türkei reisen können oder von der arabischen Halbinsel verschiffen. Nur wohin? Nach Indien, was wir eigentlich nur als Transit im Auge hatten? Nein. Oder direkt nach Australien? Das gefiel uns irgendwie auch nicht so recht, dann würden wir ja Zentralasien und somit viele spannende und verschiedene Länder vollständig auslassen.


Und da kam uns wieder die Option mit Südamerika in den Sinn. Die Vorteile liegen auf der Hand: viele große Länder, keine Visapflichten, problemloses herumreisen und zu dem Zeitpunkt quasi keinerlei Konflikte, die das Reisen verhindert hätten. Und es gibt extrem viel zu entdecken. Die Entscheidung war nicht leicht, von dem ursprünglichen Wunsch wieder nach Mittelasien zu fahren, dieses Mal die südliche Route zu nehmen, durch den Pamir und den Karakoram bis nach Indien und Nepal zu fahren Abstand zu nehmen. Aber eigentlich war es klar, es blieb uns nicht wirklich eine sinnvolle Möglichkeit für die Ostroute. Also entschieden wir uns innerhalb einer Woche dafür komplett in die andere Richtung weiter zu fahren.


Wir fingen an, Reedereien bzgl. Verschiffung nach Uruguay anzufragen – die Containerpreise waren horrend, um die 5000€ für einen 40’ Container (also für zwei Fahrzeuge) plus Zollabfertigung und Hafengebühren. RoRo Verschiffung kam nicht in Frage – wir hatten fast unser gesamtes Leben im Bus – das gibt man nicht freiwillig auf. Dann kam ein Angebot von Robert WWS für gut 3000€ all inklusive pro Fahrzeug im 40’ Container. Das Schiff sollte am 21.11.2022 in Rotterdam ablegen, der Container am 16.11. beladen werden. Das war sozusagen in 1,5 Wochen.


Freunde von uns- auch mit einem Syncro unterwegs- die gerade in der Türkei waren wollten ebenfalls nach Südamerika. Allerdings war es ihnen leider zeitlich zu knapp, bis nach Rotterdam zu düsen um mit uns den Container zu teilen. Wir versuchten auch ab der Türkei etwas zu finden, das schien allerdings sehr schwierig, da ungewöhnlich und auch wesentlich teurer. Also entschieden wir uns unabhängig voneinander die Reise in der Blechbox anzutreten.


Nun war wieder etwas Bewegung in die kleine Reisegruppe im Zacharias gekommen. Wir suchten fieberhaft nach einem Containerbuddy, mit dem wir den Container teilen konnten. Gar nicht mal so einfach, wenn es so spontan ist. Eine Verschiffung planen die meisten ja doch eher langfristig zum Beispiel als Beginn ihrer großen Reise. Glücklicherweise fanden wir kurz vor der Deadline für die Dokumente ein holländisches Paar mit einem Defender, die ebenfalls schnellstmöglich eine Mitfahrgelegenheit nach Südamerika suchten. Um alles Weitere zu organisieren fuhren wir nochmals zu Julianes Eltern, die jedoch in der Woche gerade verreist waren. Wir packten den Bus um, machten das Interieur Hochseefest (sollte man zumindest – am Ende hat es kein Mensch kontrolliert ob alles fest in Schränken verstaut ist), organisierten unsere Reisetaschen für die Flüge und packten diese. Es war sehr stressig aber wir bekamen es irgendwie hin. Auch die Suche nach geeigneten Flügen war nicht ganz leicht. Zu viert ist eine relativ kleine Preisdifferenz pro Passagier dann doch eine Große im Gesamtpreis. Doch auch hier löste sich das Problem und wir sollten am 21.11. von Amsterdam Schiphol aus starten. Am Freitag dieser Woche hatte ich dann den zweiten Termin bei Christoph um die provisorische Füllung gegen eine Permanente zu tauschen. Es klappte hervorragend aber erhöhte natürlich nochmal das Stresslevel etwas, da wieder ein Tag verloren ging. Mittlerweile wurde die Beladung des Containers auf den 18.11. verschoben, was uns etwas mehr Zeit für die Anreise gab.


Wir starteten in der Schweiz am Montag, fuhren noch fix in Zweibrücken bei Thomas (TK Carparts) vorbei und dann weiter nach Amsterdam. Dort durften wir mitten in der Stadt auf der kleinen Insel Prinseneiland vier Nächte bei Astrid, Bart und ihren Kindern verbringen, die wir im Juli in Norwegen kennengelernt hatten. Am 18.11. startete ich früh mit Zacharias um gegen 8 Uhr ebendiesen in einen großen Blechcontainer zu fahren. Es war schon etwas aufregend aber es klappte alles wie am Schnürchen. Anschließend fuhr mich Hans, unser Containerbuddy, zum Bahnhof in Rotterdam und ich hatte ein paar Minuten der Ruhe im Zug zurück nach Amsterdam. Wir genossen noch zwei wirklich sehr kalte Tage mit dem ersten Frost und schneidend kaltem Wind zwischen den Kanälen Amsterdams auf Prinseneiland und starteten dann unsere Reise über den großen Teich…


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